Linksfraktion im Bundestag: Kind ist man bis 18.

Bundeswehr-Abzeichen (Symbolbild)

“Rekrutierung minderjähriger bei der Bundeswehr stoppen! Keine Kindersoldaten weltweit!” – so heißt es auf einem Plakat, das die Linken gerade1)Ich brauche für gewöhnlich Monate, um einen Artikel fertig zu schreiben. auf Facebook2)Facebook-Seite der Fraktion die Linke im Bundestag, 10. November 2016 (Link)  (Backup) verbreiten.

Zuerst möchte man laut schreien – Kindersoldaten in Deutschland, Kinder an der Waffe bei der Bundeswehr! Das klingt ersteinmal absolut unfassbar. Genauso war auch ich fassungslos, als ich das Plakat auf Facebook gesehen habe. Und zwar darüber, wie hier über die Tatsache hinweg gesehen wird, dass es hierbei gar nicht um Kinder geht. Und es gab auch in der jüngeren Vergangenheit keine Diskussion darüber, ob Kinder in die Bundeswehr eintreten dürfen. So, wie die Linke es auf Facebook suggeriert könnte man glatt denken, in Deutschland würden Kinder auf dem Schießübungsplatz der Bundeswehr mit dem G36-Sturmgewehr auf Terroristen-Puppen ballern. Dicke Teenies würden vor der Konsole das Drohnenfliegen lernen und als Dank bekommt jeder am Ende eine Hundemarke und einen Propagandafilm.

“Kinder”soldaten

Vielmehr geht es darum, dass die Linke nicht möchte, dass ein 17-Jähriger in Deutschland eine Ausbildung bei der Bundeswehr beginnen kann. So wird es ersichtlich, wenn man sich den Antrag der Linken durchliest, die Rekrutierung Minderjähriger zu verbieten3)Rekrutierung von Minderjährigen für die Bundeswehr sofort beenden und
keine Ausbildung von Jugendlichen an Waffen, Deutscher Bundestag (Link) (Backup)
. Auch wird aus dem Antrag ersichtlich, dass es um lediglich 1515 Neurekrutierungen im Jahr 2015 geht.

Die Linke führt zwei wesentliche Gründe für ihren Vorschlag an: Zum einen gewinnt man wohl derzeit den Eindruck, dass Deutschland seine Position im Kampf gegen Kindersoldaten nicht ernst nehme, zum anderen soll die Ausbildung an der Waffe zu Entwicklunsschäden führen, sofern die Entwicklung des Gehirns nicht schon abgeschlossen ist.

Ich finde nicht, dass man laut den Linken wohl nicht gleichzeitig sagen kann: “Ich bin gegen Kindersoldaten!” und: “Ich finde es okay, wenn man die Ausbildung zum Soldaten mit 17 Jahren anfängt.”. Denn: Niemand wird in Deutschland mit 17 Jahren zum Soldaten gemacht. Die Ausbildung bei der Bundeswehr kann man als Minderjähriger noch nicht abschließen, wir haben keine Minderjährigen in der Armee. Das scheint leider gerne vergessen zu werden. Kindersoldaten sind minderjährige Soldaten – wobei man bei einem Siebzehnjährigen natürlich nicht von einem Kind sprechen kann. Wenn die Linke also schon plakativ Stimmung machen will, dann doch bitte wenigstens mit wahren Aussagen: Wenn, dann geht es hier um Kinderrektruten.

Ganz ehrlich, ich finde es schlimm. Ich finde es schlimm, wenn man einen Siebzehnjährigen, der eine Karriere beginnen möchte, auf eigenen Beinen stehen möchte und sich zu einer Ausbildung entschließt, als Kind bezeichnet, um ihm das Recht auf seine eigenen Entscheidungen abzusprechen. Soll denn auch die Polizeiausbildung in Zukunft nur für Volljährige gelten? Oder die Ausbildung beim Sicherheitsdienst? Wo soll man denn die Grenze ziehen? Ist denn ein 18 Jahre alter Schulabgänger schon alt genug für das harte Leben? Oder sollte man nicht doch lieber bei 21 Jahren ansetzen? Wie lange sollte man in Deutschland bevormundet werden? Ich finde, da man mit 18 Jahren volljährig wird und dann als Soldat arbeiten darf, ist es nur völlig richtig, wenn man den Interessierten schon ein Jahr früher die Möglichkeit gibt, sich auf den Beruf vorzubereiten.

Fazit

Es gibt Gründe, warum man die Ausbildung bei der Bundeswehr schon mit 17 Jahren beginnen kann. Ein wichtiger Grund ist, dass es junge Leute in Deutschland gibt, die mit 17 ihre Schule hinter sich haben und eine Ausbildung machen wollen. Und dabei ist 17 schon eine Ausnahme, die meisten Ausbildungen kann man sogar schon früher beginnen. Es ist ja auch nicht so, als gäbe es vor dem Eintritt in die Bundeswehr-Ausbildung keinerlei Eignungstests und Einstellungsprozedere. Und so ist die Bundeswehr eine attraktive Ausbildung – zumindest für 1515 minderjährige Rekruten im Jahr 2015.

Ob man nun zum Militär geht, das sei jedem selbst überlassen. Denn es ist nicht die Aufgabe der Linken, zu entscheiden, wer welchen Job machen darf – auch wenn es bei denen so einige geben würde, die sich die Planwirtschaft zurückwünschen. Es ist unser großes Privileg, dass wir unseren Werdegang selbst bestimmen dürfen. Und das sollten wir uns nicht wegnehmen lassen – ja, auch dann nicht wenn das heißt, dass einige Jugendliche eine Ausbildung beim Militär beginnen. Denn auch das bedeutet Freiheit – auch wenn die Freiheit anderer einem selbst unbequem aufstoßen kann.

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Fußnoten   [ + ]

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