Die Grünen: Realitätsfern wie immer.

Elektroautos

Oft frage ich mich, ob die Idiotie in unserem Land langsam Überhand nimmt. Seien es die Erfolge der AfD, tausende Menschen die auf den Straßen gegen einen Vertrag protestieren dessen Inhalt sie nicht kennen (gemeint ist TTIP, dessen Vertragstext zum Zeitpunkt des Artikels noch nicht endgültig feststeht) oder die Energiewende, die von Regierungsperiode zu Regierungsperiode verschoben wird. Doch an all diesen Misständen räume ich einer Partei eine Mitschuld ein: Den Grünen.

Ich habe ohnehin schon keine gute Meinung von der Ökopartei. Ein Tempolimit auf der Autobahn bei 120 km/h1)Tempolimit im Test: Grüne geben sich wieder als Regel-Fetischisten der Nation, Focus Online am 04.12.2015 (Link) (Backup) , Anti-GMO-Hetze2)Gentechnik & Bioethik, Gruene.de am 22.09.2016 (Link) (Backup) wie man sie sonst nur von Verschwörungstheoretikern erwarten würde oder der Forderung, dass Unternehmen Führungskräfte nicht mehr für ihre Qualifikation sondern für ihr Geschlecht einstellen (das gilt übrigens nur für Führungskräfte: Die Grünen fordern keine Frauenquote für schlecht bezahlte Jobs!). Zur Frauenquote sei auch zu sagen, dass die Grünen den Frauenanteil in den Parlamenten erhöhen wollen – denn bei denen wird in einer Demokratie nicht vom Volk gewählt, sondern die Vertreter des Volkes sollen wohl per Quote gewürfelt werden.3)Frauenpolitik, Gruene.de am 01.10.2015 (Link) (Backup)
Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie die ehemalige Hippiepartei in der heutigen Zeit so groß bleiben kann. Wobei – die Inhalte der AfD sind auch zum größten Teil Bullshit und die erreichen ja schließlich auch ihre Prozente.

Die Grünen wollen ein Zulassungsverbot für Benziner ab 2030

Doch jetzt kommt der neueste Unsinn aus dem Hause der ehemaligen Nein-Sager-Partei, die jetzt wohl die Verbotspartei ist: Sie wollen umweltschädliche Autos verbieten. Denn wenn ein grüner Politiker mit seiner Mercedes S-Klasse-Limousine die Umwelt schützt, geht das sogar so weit, dass er seine S-Klasse gegen eine andere S-Klasse austauschen lässt, um nun umweltfreundlicher unterwegs zu sein.4)Kretschmanns neues Dienstauto: eine grüne S-Klasse, Südwest Presse am 18.02.2014 (Link) (Backup Dass man für den Preis von einer S-Klasse auch ein Elektroauto hätte haben können, zudem ein kleineres welches dann mit weniger Emissionen bei der Herstellung daherkommt, das scheinheiligen Grüne-Politikern wie Herrn Kretschmann wohl egal.

Konkret lautet die Forderung der Grünen, die Neuzulassung von PKW mit Benzin- und Dieselantrieb ab 2030 zu verbieten.5)Sauber Autofahren ab 2030, Grüne.de am 30.09.2016 (Link) (Backup) Denn ohne Verbot, so scheint es bei den Grünen die weit verbreitete Ansicht zu sein, können sich Elektroautos nicht auf dem Markt durchsetzen. Übrigens wollen die Grünen damit auch den deutschen Autobauern helfen, denn niemand weiß so gut über den Automarkt und die Kunden bescheid wie eine Partei, die sich dafür ausspricht, dass man das Fahrrad statt dem Auto benutzen sollte. So forderte ein Grünen-Politiker beispielsweise, dass Fahrradfahrer rote Ampeln ignorieren können sollten6)Radfahrer sollen auch bei Rot fahren dürfen, Welt.de am 13.07.2016 (Link) (Backup) – ob die gleiche Forderung dann auch für Elektroautos gilt? Witzig wär’s.

Wieso die Grünen falsch liegen

Die Forderung der Grünen ist absurd und nicht durchsetzbar. Sie wird von einer verquerten Ideologie und nicht durch Fakten gestützt. Selbst wenn wir ab 2030 nur noch Elektroautos fahren, woher soll dann der ganze Strom kommen? Aus unseren Kohle- und Kernkraftwerken? Denn da der Plan der Grünen zur Energiewende ähnlich dürftig ist, glaube ich kaum, dass uns diese Politiker bis 2030 zur 100%-Ökostromnation machen werden.
Man soll mich hierbei nicht falsch verstehen: Ja, ich bin für Strom aus erneuerbaren Energien. Und: Ja, wir brauchen den Strom so schnell wie möglich. Aber: Sieht man sich die Bilanz von 2001 bis 2016 an – also 15 Jahre – dann erscheint es absolut lächerlich, dass wir 2030 bereits den Großteil unseres Stroms aus erneuerbaren Energien beziehen. Elektroautos werden auch 2030 noch mit einem Mix aus Strom fahren, in dem sich Strom aus Kernkraft und Kohlekraft finden wird.

Tesla macht es vor

Tesla Model X beim Aufladen

Ein Tesla Model X beim Aufladen an einem Tesla Supercharger.

Übrigens: Ich sage, wir werden schon vor 2030 überwiegend nicht mehr mit Benzin- oder Diesel-Antrieben in unseren Autos fahren. Ich bin mir da sogar total sicher. Warum? Weil die Autoindustrie – im Gegensatz zu dem Modell der Grünen – einen Wettbewerb hat. Der Grund, warum wir in Deutschland jetzt noch keine Elektroautos fahren, ist simpel: Die Dinger sind teuer, fahren nicht so weit wie Benziner, kosten dabei ein Vermögen und haben dennoch eine schlechtere Ausstattung als andere Autos in der Preisklasse. Aber: Das wird sich ändern. Und zwar schon nächstes Jahr mit dem Tesla Model 3 – dem ersten Elektroauto, welches ich mir nicht nur wegen des Antriebes sondern wegen des gesamten Fahrerlebnisses kaufen würde. Model 3 hat einen Preis von unter 40’000 US-Dollars, eine Reichweite die auch auf dem Land ausreichend ist und – das ist viel wichtiger – Tesla bietet eine Infrastruktur, die es möglich macht, mit einem Tesla durch ganz Europa zu fahren, unabhängig von der eigenen Steckdose. Das gab es bisher nicht und das sind Dinge, die wir von einem Auto erwarten.

Wenn die Grünen die Einführung von Elektroautos beschleunigen wollen, dann sollten sie sich vielleicht darüber Gedanken machen, ob man mit den Subventionen der E-Auto-Prämie nicht eine Infrastruktur hätte schaffen können. Denn Tankstellen gibt es überall, aber Elektroauto-Tankstellen7)Konkret meine ich das Konzept der Tesla Supercharger, bei dem der Tesla in kurzer Zeit den Akku zu einem großen Anteil wieder aufladen kann. – damit meine ich nicht normale Steckdosen – sind nach wie vor rar, werden aber dringend gebraucht, wenn ein Elektroauto einen ähnlichen Komfort wie ein Benziner bieten soll.
Wenn der Staat für die Infrastruktur sorgt, dann werden die Autohersteller für die Autos sorgen – müssen sie sogar, denn Tesla ist nicht die einzige Firma, die mit absolut bombastischen Elektroautos auf den deutschen Markt kommen wird.

Die Grünen und die E-Auto-Prämie

Dass die Grünen die deutsche Autoindustrie retten wollen, das ist nicht neu: Auch der Ökopartei kann man vorwerfen, sich des Lobbyismus schuldig gemacht zu haben. Und damit meine ich nicht die beiden S-Klassen, die Kretschmann hat anschaffen lassen: Ich meine die E-Auto-Prämie, die die Grünen grundsätzlich befürwortet haben. Einzig und allein die Bezahlung der Prämie gefiel den Grünen nicht: Die Forderung damals war, Autofahrer von emissionsstarken Autos sollten die Prämie bezahlen – eine völlig bescheuerte Forderung, die Autofahrer nach dem Kauf eines großen Autos zur Kasse bitten zu wollen! Das hätte man vorher wissen müssen!8)Grüne: Spritschlucker-Fahrer sollten für E-Auto-Prämie zahlen, Heise.de am 18.05.2016 (Link) (Backup)

Aber die Grünen waren für die E-Auto-Prämie und sollten ihr gescheitertes Subventionsprodukt für die deutsche Autoindustrie als Zeichen dafür sehen, dass eine regulierungswütige Partei nicht versuchen sollte, den deutschen Automarkt umzugestalten. Die Grünen haben bei der E-Auto-Prämie an einem Strang mit der großen Koalition gezogen und sollten jetzt auch für die Konsequenzen – rausgeschmissenes Geld und keine sichtlichen Erfolge – gerade stehen. Interessant ist übrigens auch, was die Grünen von der E-Auto-Prämie halten, jetzt wo sich ihr Scheitern abzeichnet: Keiner will von irgendetwas gewusst haben und man war von Anfang an gegen die Prämie.9)Grüne: Elektroauto-Prämie „miserabel gemacht“ und „ein Rohrkrepierer“, ecomento.tv am 14.09.2016 (Link) (Backup) Die bekannte 180-Grad-Taktik der Grünen eben.

Die Regeln des Markts

Wir leben in einer sozialen Marktwirtschaft. Das heißt, dass es klare Regeln gibt, zwischen denen sich der Markt frei entfalten kann. Das bedeutet, dass sich bessere Produkte gegen schlechtere Produkte durchsetzen können und sich ein Wettbewerb entwickeln kann, von dem vor allem der Kunde profitiert. Die Grünen scheinen das aber nicht verstanden zu haben. Man schaue sich als Beispiel den deutschen Strommarkt an. Wir haben im Jahr 2016 trotz mehrmals bekräftigtem Ausstiegswunsch einen großen Anteil an Atomstrom im deutschen Strommix. Und das liegt weder daran, dass Atomstrom günstig wäre, noch daran, dass es an Alternativen fehlen würde.

Der Grund ist, dass Atomstrom über Jahrzehnte hinweg subventioniert wurde und diese Subventionen nicht einmal mit der beschlossenen Energiewende aufhören. Und die Grünen nehmen sich den Atomstrom zum Vorbild und wollen so auch Ökostrom dem Markt aufzwingen. Das Ergebnis: Deutschland hat unverhältnismäßig teuren Strom10)Strom in Deutschland viel teurer als im EU-Schnitt, Welt.de am 19.12.2013 (Link) (Backup) , hinkt in der Klimapolitik hinterher11)Deutschland bei Umwelt-Ranking auf Platz 31, Spiegel Online am 28.01.2005 (Link) (Backup) und daran leiden nicht nur die Stromkunden, sondern auch die Umwelt. Kein Grund für die Grünen zum Umdenken.

Wir brauchen ein Umdenken in der Energiepolitik.

Um noch einmal auf die Strompolitik zu sprechen zu kommen: Wie sähe unsere Strompolitik denn ohne diese schwachsinnigen Subventionen aus? Nun, meine Prognose: Atomstrom wäre unbezahlbar. Alleine schon, weil Atomkraftwerke versichert sein müssten – in Milliardenhöhe. Dazu kommen die Kosten für die hunderte Jahre lange Lagerung des radioaktiven Abfalls. Die Kosten für den Transport und für die Sicherheit von Atomkraftwerken. Und: Strom in Deutschland wäre günstiger. Auch Ökostrom. Denn was kostet ein Windrad im Betrieb im Vergleich zu einem Atomkraftwerk?

Wenn die Energiekonzerne einen Anreiz hätten, an der Energiewende zu arbeiten – und der wichtigste Anreiz sind zahlende Kunden – dann würden wir unsere Atomkraftwerke noch heute abschalten. Strom aus erneuerbaren Energien ist billiger als Atomstrom und letztendlich auch billiger als Strom aus Kohle, aber unser verfälschter Markt lässt es zu, dass es bei dem Kunden nicht so ankommt. Und da sind die Grünen eine Partei, die keinen neuen Ansatz verfolgt: Aus Fehlern lernen und langfristig einen freien Energiemarkt zu gewährleisten. Wer auf Kosten der Umwelt handelt, muss für die Reparatur der Umwelt Geld bezahlen. Dieses Prinzip liegt vielen Umweltabgaben zu Grunde und es ist auch absolut fair, solange es Alternativen zum Umweltfeindlichen Handeln gibt. Aber das Prinzip unseres Strommarkts ist leider genau ins Gegenteil verkehrt und das darf nicht mehr sein.

Fazit

Die Grünen haben sich ein weiteres Mal blamiert. Und trotzdem werden Leute an die populistischen, kurzsichtigen Parolen der ehemaligen Friedensaktivisten glauben. Ich hoffe, dass ich mit meiner Argumentation wenigstens einen Leser erreichen konnte, der am Ende die richtige Entscheidung trifft und nicht die Grünen wählt.

Die Grünen: Realitätsfern wie immer. von Lars.tf ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung 4.0 international.

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